Die Teamberatung ohne Kompromiss

Die Teamberatung ohne Kompromiss

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Individuen und Teams sowie Organisationen müssen sich, wenn sie „überleben“ sollen, sowohl egoistische als auch altruistische Motive bewahren. Im Interesse der Anpassung an sich ändernde Bedingungen müssen diese gegensätzliche Tendenzen gleichzeitig und energisch in der täglichen Praxis durchgesetzt werden. Das bedeutet aber auch, dass abwechselnde oder gleichzeitiger Ausdruck dieser gegensätzlichen Tendenzen der Anpassung dienlicher sein wird als Zwischenlösungen oder Kompromisse.

Vor allem der Punkt betreffs des Kompromisses ist wichtig!

Es geht hier weniger darum, dass ein Kompromiss für Menschen mit konkurrierenden Interessen als akzeptabel erscheint oder dass die Bereitschaft einmal einen Kompromiss einzugehen, die unsägliche Tendenz hat, sich auch auf andere Bereiche auszudehnen, sondern darum, dass die ursprünglichen gegensätzlichen Reaktionen durch eine Kompromisslösung ersetzt und damit zerstört werden und so in der Zukunft nicht mehr bereit stehen.

Mit wissenschaftlichen Worten: „Der Versuch, sowohl individuelle als auch Teaminteressen befriedigen zu wollen, selegiert gegen den reinen Ausdruck beider Interessen. Sollten sich die Interessen in ihrer ursprünglichen Form als adaptiv erweisen, dann könnte sich angesichts einer Umwelt- oder Organisationsveränderung, das Überleben als schwierig erweisen“ (Murdy 1975).

Interne Selektoren dominieren die externen Selektoren, und die Anpassungsfähigkeit geht verloren (Weik 1979).

Die Lösung, die Karl E. Weik vorschlägt, besteht darin, dass gegensätzliche Tendenzen – hier Egoismus und Altruismus, es können auch andere Gegensatzpaare wie Flexibilität und Stabilität sein – erhalten statt zerstört werden sollten. Eine Lösung, die gegensätzliche Tendenzen erlaubt, sich abwechselnd auszudrücken, wäre in dem Sinne adaptiver als eine, die Kompromisse erzeugt.

Für Teams und Organisationen bedeutet dies, dass beide Tendenzen gepflegt und gehegt gehören, aber eben nicht gleichzeitig und miteinander, sondern hintereinander oder nebeneinander, um die notwendige Flexibilität von Teams und Organisationen in ihrer Reaktion auf Umwelt- und Organisationsveränderungen aufrecht zu erhalten.

Beratung muss sich um Gegensatzpaare kümmern – aber immer nur hintereinander

Für die praktische Umsetzung bedeutet, dass sich einerseits einzelne BeraterInnen zB am Vormittag jeweils der einzelnen Teammitglieder in Einzelsitzungen annehmen, um deren persönlichen und „egoistischen“ Anliegen Raum zu geben, und anderseits, dass eine andere BeraterIn, um keine Fragen der Loyalität oder Parteilichkeit aufkommen zu lassen, sich mit dem gesamtem Teams am Nachmittag in einer Teamberatung mit dem betrieblichen oder organisatorischen Anliegen aus „altruistischen“ Sicht beschäftigt. Bei mehr als 6 Mitgliedern können auch an einem Tag die Einzelberatungen und am folgenden Tag die Teamberatung statt finden, wichtig ist nur, dass sie voneinander getrennt, hinter einander stattfinden und dass sie von verschiedenen BeraterInnen durchgeführt werden.

Mit dem hier beschriebenen Ansatz können „faule“ Kompromisse vermieden und die Überlebens- und Anpassungsfähigkeit von Teams und Organisationen nachhaltig gesteigert werden.

Christopher Temt

P.S.: Wenn Sie an so einer „Teamberatung ohne Kompromiss“ interessiert sind, um zB die Digitalisierung und Transformation Ihrer Organisation nachhaltig umzusetzen, so melden Sie sich bitte bei mir office@temt.at

 

Quelle: Karl E, Weik, Der Prozeß des Organisierens, Seite 312ff, 1979